Weiße Wege, blaue Stunden...


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Wohin

Es sind die Dinge, die mich heut nicht lassen.
Gedanken sind Fluss: Wasser, das aus Tiefen steigt
und an der Quelle handeln muss. Sie wechseln den Raum.
Doch Dinge sind Stein. Sind Ringe im Baum.
Sie zeigen Phasen an. Nach irgend Gezeiten
wenn ich nicht mehr bin: wer stößt an den Dingen an?
Wer geht auf den Straßen ... wohin?
16.11.08 21:16


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Novemberwind

Hast du schon einmal Blätter fallen sehen und erstaunt innegehalten ob des völlig falschen Wortes? Fallen... Fallen ist passives sich nicht regen und doch bewegt werden, fallen ist Gewicht, fallen ist ein Prozess mit Schmerz an dessen Ende.
Aber so, wie der Wind die Blätter einer Buche zu Boden trägt, kann ich unmöglich sagen, sie würden fallen. Welches Wort soll ich nehmen, was beschreibt dieses Bild? Sie schaukeln durch die Luft, fast als wären sie nicht nur Getragene: Sie tragen sich selbst, fädeln sich durchs Geäst in geschicktem Taumeln, schweben einen Atemzug lang und wollen dann entschlossen weiter. Im Schwarm und stets hin zu Ihresgleichen am Boden, als könnten sie es nicht ertragen, von ihnen getrennt zu sein. Es ist kein trauriges Fallen. Es ist ein tanzendes sich Hinabbegeben. Ein glückliches Wiedersehn.

Wer kann schon sagen, was der Tod für die bedeutet, die jedes Frühjahr wiedergeboren werden?
15.11.08 06:55


Ein Tag lang Ewigkeit

Stell dir vor, es gäbe eine Ewigkeit nach dem Tod. Deine Seele existierte weiter und muss eine Wahl treffen: Du dürftest auf dein Leben zurückblicken und dir einen Tag aussuchen... nur einen Tag, und dieser Tag wär deine Ewigkeit, mit allen Gefühlen und allem Leben darin. Wenn du heute sterben müsstest, welchen Tag würdest du wählen?
28.10.08 20:25


Neulich...

Es war eine unheimlich klare Nacht: unheimlich in ihrer klaren Kälte. Der Mond wie eine Insel, als einziger Punkt real und fassbar, und die restliche Welt mit ihrem Himmel das Meer, mit mir als verlorener Heimkehrerin. Und alles so fern in seiner Nähe. Das warme Leuchten aus den Häusern ließ mich glauben, dass ich nicht ausgesperrt, sondern die Seelen in Wahrheit in den Häusern eingesperrt waren, gefangen in einem dichten, blind machenden Meer aus Licht; die Luft so voll davon, dass ich es für unmöglich hielt, in einem dieser Zimmer auch nur atmen zu können. Ich dagegen konnte weit werden, konnte mich nach dem Ganzen strecken und mich in einem Himmel auflösen, der ewig war. Eine Nacht stellvertretend für alle, eine Nacht, in der alle anderen Nächte zuhause sind. Keine Nacht wird mehr je so klar sein. Erst wieder, wenn die kleine Unendlichkeit einer solchen Stunde in mir verebbt ist. Möglicherweise.
20.10.08 17:41


Wenn ich ehrlich bin

Wenn ich ehrlich bin, bin ich stärker, als ich sein will. Und gleichseitig verletzlicher.
Ja, wenn ich ehrlich bin, muss ich mir zugestehen, mich anlehnen zu wollen. Anlehnen und festhalten.
Und wenn ich ehrlich bin, macht mir das Angst. Ich will mich nicht festhalten müssen. Da sehe ich keine Stärke in dieser Schwäche, und ich mag mich dafür manchmal nicht mehr.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich kein Vertrauen in die Liebe. Ich glaube, mich an ihr zu verletzen wirft mich um. Und manchmal.... wenn ich wirklich, wirklich ehrlich bin weiß ich, dass ichs überlebe. Dass so viele Dramen nur dazu da sind, um mich ins Leben zu werfen und nicht in mir selbst zu versinken.
Wenn ich ehrlich bin, weiß ich: Ich schaffe es auch allein. Aber ich will es nicht.

Wenn ich ehrlich bin, bin ich ziemlich kompliziert. Und ich versteh mich selbst nicht immer. Aber ich versuchs, immer wieder.
13.10.08 20:48


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